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Richtig entfremden

Heute ist der Tag der Eltern-Kind-Entfremdung. Ich finde das ein bisschen befremdlich, aber nun gut. Hier also ein paar Tipps, wie man sich besser entfremden kann.

ELTERN

Geburt eines Kindes: Wenn Ihnen das Kind, was Sie gerade bekommen haben, fremd vorkommt, kommt es Ihnen fremd vor, weil es ein fremder Mensch ist. Sie werden es kennenlernen – mehr als Ihnen lieb ist.

0 bis 12 Jahren: Sich von einem Kind in dieser Alternsgruppe entfremden zu wollen, ist eine ganz schlechte Idee. Möglicherweise müssen Sie dann jahrelang irgendwelche Therapiesitzungen bezahlen. Durchaus verständlich ist es allerdings, wenn Sie behaupten, dass das Kind, das sich gerade vor dem Süßigkeitenregal im Supermarkt schreiend auf dem Fußboden wälzt, nicht das Ihre sei.

13 bis 18 Jahre: Die Entfremdung von einem Kind in dieser Altersgruppe funktioniert von ganz alleine. Mit Beginn der Geschlechtsreife setzt quasi eine natürliche Entfremdung ein. Es beginnt beispielsweise damit, dass Ihr Sohn fremd riecht – so in die Richtung Puma oder eine Herde sibirischer Bergziegen. Söhne hören sich irgendwann auch fremd an. Das merkt man besonders gut, wenn man zu Hause anruft und sich fragt, wer der Mann ist, der da ans Telefon gegangen ist. Mädchen dagegen sehen eher fremd aus. So wie irgendeine 25-Jährige, die sich in die Wohnung verirrt hat.

Schließlich tritt das Kind in die finale Entfremdungs-Phase ein: Die Kommunikation mit den Eltern wird auf ein Minimum heruntergefahren. Wenn es dann was sagt, fällt es meist in die Kategorie „Du hast ja null Ahnung“, „Was hörst du denn für einen Scheiß?“. Diese Phase ist von der Evolution vorgesehen: Sie sind dann nicht mehr ganz so traurig, wenn das Kind in die Welt hinauszieht.

KINDER

0 bis 5 Jahre: Wenn Sie sich zu dieser Altersgruppe zählen und das lesen, stimmt sowieso was nicht mit Ihnen. Da ist das Thema „Entfremdung“ Ihr geringstes Problem. Gehen Sie mal lieber spielen. Und nebenbei: Wenn Sie sich in der Nacht zwischen Ihre Eltern legen, weil unter Ihrem Bett ein Monster wohnt, tragen Sie zur Entfremdung Ihrer Eltern bei. Damit verhindern Sie auch die Produktion von möglicher Konkurrenz in Form von Geschwistern.

5 bis 13 Jahre: Ich finde es immer noch befremdlich, wenn Sie das jetzt lesen. Sie wissen in der Schule auch immer alles besser, oder? Jetzt befinden Sie sich in einer Phase, in der Sie erste Traumata verarbeiten müssen. Zum Beispiel, dass Ihre Mutter Ihnen mit Spucke und einem Taschentuch das Gesicht abgewischt hat. Sie bemerkten aber auch erste Entfremdungs-Anzeichen. Sie würden das allerdings anders nennen: „Was sind meine Eltern peinlich.“

13 bis 18 Jahre: Jetzt haben Sie richtig viel Zeit, sich zu entfremden. Nennt man auch gerne abnabeln. Deswegen nerven Eltern auch so. Irgendwann habe Sie Ihre Eltern auch wieder richtig lieb. Oder einen gute Psychiater.

 

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