Gute Nacht, Marie 0

Anleitung zum Purzeln

Am 27. Mai ist der Welttag des Purzelbaums. Richtig: Welttag. Und dabei geht es nicht um Initiativ-Kindertagesstätten, die schon mal gerne „Purzelbaum“ heißen. Oder „Lummerland“. Oder „Villa Kunterbunt“. Aber zurück zum Purzelbaum. Und wie heißt der Purzelbaum in anderen Sprachen? Oder fangen wir mit unserer Sprache an. Hier heißt der Purzelbaum eigentlich Rolle vorwärts. Oder rückwärts.

Die Engländer oder Amerikaner sagen „somersault“ oder „tumble“, in Italien heißt er „capriola“, in Frankreich „culbute“, in der Türkei „perende“, in Finnland „kuperkeikka“.

Schon im Kindergarten wurde auch das letzte unsportliche Kind in den Purzelbaum gezwungen. Wie, Sie nicht? Wollen Sie mal einen Purzelbaum machen?

Sie stellen sich also hin. Nee, warten Sie mal. So geht das nicht. Sie hocken sich hin. Aber nicht so richtig, sondern nur ein bisschen. So mit Po raus. Dann legen Sie die Hände auf den Boden. Nee, das war jetzt missverständlich. Sie berühren mit den Händen den Boden. Nein, nicht neben den Füßen. Vor dem Körper. Dann machen Sie einen Buckel. Und ziehen den Kopf ein. Damit Sie mit dem Hinterkopf auftreffen.

Halt! Sie stehen jetzt wieder auf und holen sich eine Decke. Damit Sie sich nicht wehtun und mir dann vorwerfen, ich hätte Sie dazu angestiftet. Sie legen die Decke jetzt dahin, wo Sie den Purzelbaum machen wollen. Versuchen Sie möglichst, nicht den Fernseher umzureißen oder Ihrem Hund die Füße in die Schnauze zu hauen. Jetzt machen Sie das, was ich eben erklärt habe. Hocke, Hände, Buckel, Kopf. So, jetzt nehmen Sie Schwung. Wie Sie das machen sollen? Herrgott, das weiß ich doch auch nicht. Sie rollen sich jetzt eben mit dem Rücken irgendwie auf die Decke. Mit Schwung. Ach, ich geb’s auf.

Hier bekommen Sie die offizielle Anleitung zur Durchführung einer korrekten Rolle vorwärts:

Aus dem Stand geht der Turner in den flüchtigen Hockstand. Dabei führt er die Arme in die Vorhalte. Während die Beine gestreckt werden, werden die Hände schulterbreit auf dem Boden aufgesetzt. Die Arme bleiben zunächst gestreckt, der Kopf wird auf die Brust gelegt und der Rücken gerundet. Der Turner streckt seine Beine weiter, wodurch der Körperschwerpunkt in Rollrichtung verlagert wird. Um das Körpergewicht aufzufangen, werden die Arme leicht gebeugt. Mit dem Aufsetzen des Nackens beginnt die eigentliche Rollbewegung, bei der die Beine in sauberer Ausführung gestreckt sind. Während der Turner über seinen runden Rücken rollt, löst er seine Hände vom Boden und führt die Arme in Vorhalte, um ein rasches Aufstehen zu ermöglichen. Kurz bevor das Gesäß den Boden berührt, werden auch die Beine angewinkelt, so dass der Turner am Ende der Rollbewegung mit den Füßen den Boden berührt. Mit dem Durchdrücken der Knie endet der Turner nun im Stand.

Übrigens Rolle rückwärts ist so ähnlich. Nur andersherum. Quasi ein Muablezrup.

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